Hessisches Landesarchiv

Das Weltdokumenten-Register Memory of the World

Kapitelübersicht


Das Weltdokumenten-Register Memory of the World


Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz


Die Strafverfolgung vor dem 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess


Fritz Bauer


Der 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess


Die Verfahrensakte zum 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess

Sie befinden sich hier: Startseite > Das Weltdokumenten-Register Memory of the World

Wer entscheidet heute, an was wir uns morgen erinnern? Eine Antwort auf diese Frage lautet: die UNESCO mit ihrem Programm „Memory of the World“ (MoW). 1992 begann die UNESCO damit, ausgewählte herausragende Dokumente in ihr „Weltregister“ einzutragen. Allmählich entstand ein weltumspannendes digitales Netzwerk mit heute insgesamt 348 Dokumenten aus aller Welt als eine moderne Form des globalen Gedächtnisses. Mit der ehrenvollen Aufnahme in das MoW-Register ist die Selbstverpflichtung der jeweiligen verwahrenden Institution verbunden, sowohl für eine angemessene Form der „Preservation“, sprich langfristige Sicherung, als auch für den „Public Access“, den weltweiten digitalen Zugang, zu sorgen.

Seit seiner Konstituierung 1999 hat das deutsche Nominierungskomitee 22 Dokumente erfolgreich für die Aufnahme in das MoW-Programm vorgeschlagen. Im Juni dieses Jahres erfolgte nun ein weiterer Vorschlag dieses Gremiums: Die Unterlagen des 1. Frankfurter Auschwitz-Prozesses. Diese Verfahrensakte der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Frankfurt am Main umfasst 456 Aktenbände und 103 Tonbänder als 424-stündiger Mitschnitt aus der Hauptverhandlung. Sollte sich das International Advisory Committee, dessen Mitglieder von der UNESCO-Generaldirektion berufen werden, dem Vorschlag des deutschen Nominierungskomitees anschließen, dann würden diese umfangreichen Prozessunterlagen bald Teil des Weltdokumentenerbes sein.

Diese herausragende Bedeutung des 1. Frankfurter Auschwitz-Prozesses trifft zum einen für die strafrechtliche Ahndung des Holocausts zu, zum anderen für dessen Aufarbeitung in der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland bis in die Gegenwart hinein. Über die Bedeutungsdimensionen von Strafrecht und nationaler Erinnerungskultur hinaus stellen insbesondere die Tonbandmitschnitte der Aussagen von 319 Zeugen, darunter 181 Auschwitz-Überlebende, ein einzigartiges, buchstäblich beredtes Zeugnis zu einem der zentralen Verbrechen des 20. Jahrhunderts dar. Von globaler gedächtnispolitischer Bedeutung ist die letztlich universelle Botschaft, die mit der Aufnahme dieses Dokuments in das MoW-Register verbunden ist: Durch Aufarbeitung und Erinnerung an Diktaturen und ihre Verbrechen werden die Menschenrechte in friedlichen und toleranten Gesellschaften gestärkt.

„Es ist ein Zeichen von Weisheit, das kulturelle Erbe wertzuschätzen, es als einen Schatz zu hüten, den unsere Vorfahren hinterlassen haben, und es als unsere Pflicht anzusehen, dieses Erbe unversehrt an unsere Kinder weiterzugeben.“

Koïchiro Matsuura, UNESCO-Generaldirektor (1999-2009)

Impressum

Das Weltdokumenten-Register Memory of the World